Digitale Transformation

Plattformen und disruptive Geschäftsmodelle

Mit der Digitalisierung von Geschäftsmodellen geht der Trend zu international agierenden Plattform-Unternehmen einher. Die bekanntesten unter ihnen kommen aus den USA oder Asien. Während digitale Plattformen im Endkundenbereich bereits sehr erfolgreich sind, bestehen gerade im B2B-Bereich für deutsche Unternehmen erhebliche Wachstumspotenziale. Jedes Unternehmen muss für sich selbst analysieren, welche Auswirkungen und Chancen der Trend zur Plattform mit sich bringt.

Teilen auf

Plattformen

Plattformen sind Marktplätze im Internet. Im Unterschied zu traditionellen Handelsplätzen tendieren sie aufgrund des Netzwerkeffekts zur Monopolbildung. Bekannte Beispiele sind die App Stores von Apple und Google oder auch Amazon, Airbnb, Uber und Facebook. Auch wenn Plattform-Unternehmen nicht Besitzer der von ihnen angebotenen Produkte und Dienstleistungen sind, haben sie das Potenzial traditionelle Branchen auszuhebeln. Sie können bisherige Marktführer zu reinen Lieferanten degradieren oder sogar vollständig vom Markt verdrängen. Daher stellen sie eine Existenzbedrohung, zugleich aber auch eine große Chance für potenziell jedes Unternehmen dar.

Gerade ein industriell starkes, doch in Sachen Digitalisierung nur durchschnittliches Land wie Deutschland muss sich dieser Herausforderung stellen und Plattformen massiv nutzen und betreiben. Zurzeit entwickeln sich etwa für den B2B Bereich Plattformen im Maschinenbau, im Automobilbau und in der Landwirtschaft.

Disruption

Von der disruptiven Innovation hat erstmals der Wissenschaftler Clayton Christensen vor bereits 20 Jahren gesprochen. Darunter versteht er einen Prozess, „by which a product or service takes root initially in simple applications at the bottom of a market and then relentlessly moves up market, eventually displacing established competitors.“ Kennzeichnend für Disruptionen sind also einfache Produkte oder Dienstleistungen, die von Marktführern oft belächelt werden – bis es zu spät ist und sie von den innovativen Disruptoren selbst abgelöst werden.

Als aktuelle Beispiele nennt Christensen Elektroautos aus China, die nur 3000 Dollar kosten oder eine Lebensmittel-Kühltechnologie aus Indien, die nur 49 Dollar kostet. Disruptionen sind nicht per se digital und Plattformen nicht per se disruptiv. Aber digitale Plattformen schaffen selbst innovativen Kleinstunternehmen die Möglichkeit zu schnellem exponentiellem Wachstum und können eine Marktmacht erreichen, die es ihnen ermöglicht, die Spielregeln völlig neu bestimmen.

Bestandsaufnahme und Handlungsbedarfe

Deutschland investiert zu wenig in digitale Technologie und leidet in vielen Regionen unter einer veralteten digitalen Infrastruktur.

Auch Wagniskapital ist in Deutschland im Vergleich zu den USA Mangelware. So haben es deutsche Start Ups deutlich schwerer sich zu finanzieren und verfügen damit über geringere Chancen, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. In einem zu Monopolbildung tendierenden Markt ist das fatal.

Einen weiteren Hemmschuh bilden die fragmentierten europäischen Märkte.

In die richtige Richtung weist die Entwicklung digitaler Ökosysteme in Form von Digital Hubs. Forschungseinrichtungen, Kapitalgeber, Start-Ups, Mittelständler und Großkonzerne kommen dort zusammen, um gemeinsam an Innovationen zu arbeiten, so wie dies etwa im Silicon Valley oder Tel Aviv seit langem geschieht.

 

Ansprechpartner

 

Vincent Bergner

Customer Relationship Manager

v.bergner@bitkom-service.de

T: 030.27576-539

Plattformen können bestehende Märkte von Grund auf verändern. Neue Unternehmen aus völlig anderen Branchen können die etablierten Platzhirsche verdrängen, wenn diese die Chancen der Digitalisierung nicht erkennen.

Dr. Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer

6 von 10

Geschäftsführern und Vorständen haben noch nichts von der Plattform-Ökonomie gehört.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 503 Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern im Auftrag des Bitkom.