Datenschutz & Compliance

Unternehmen setzen Datenschutzverordnung zögerlich um

In wenigen Monaten müssen alle Unternehmen in Deutschland die umfangreichen Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung umgesetzt haben. Andernfalls drohen hohe Bußgelder. Der Bitkom hat die Unternehmen in einer repräsentativen Umfrage nach dem aktuellen Stand gefragt. Die Ergebnisse stellt Susanne Dehmel vor, in der Bitkom-Geschäftsleitung für Recht und Sicherheit zuständig.

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Bis zum Stichtag wird es knapp

Bis zum 25. Mai 2018 müssen Unternehmen die Regelungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) implementiert haben. Die meisten Unternehmen haben Probleme, das rechtzeitig zu schaffen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage unter 507 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern im Auftrag des Bitkom, die im Spätsommer 2017 durchgeführt wurde. Etwa Jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) gibt an, sich zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht mit den Vorgaben der Verordnung beschäftigt zu haben. Immerhin setzt sich fast die Hälfte (49 Prozent) der Unternehmen mit dem Thema auseinander und 13 Prozent haben bereits erste Maßnahmen umgesetzt. Laut Umfrage erwarten zwei von drei Unternehmen (64 Prozent), dass sie die Vorgaben bis zum gesetzlich vorgegebenen Stichtag höchstens teilweise umsetzen können. Das kann fatale Folgen haben: Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des globalen Umsatzes – je nachdem, welche Summe höher ist.
Zu den vordringlichen Maßnahmen, welche die Unternehmen umsetzen, zählen die Überprüfung der Erlaubnistatbestände für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten (65 Prozent), die Überarbeitung der Einwilligungen (37 Prozent), die Aktualisierung von Verträgen (36 Prozent) sowie die Einführung neuer Prozesse für die Umsetzung von Privacy-by-Design (22 Prozent). Privacy-by-Design bedeutet, dass der Datenschutz bereits bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen berücksichtigt wird. 

Verordnung könnte weltweit Maßstäbe setzen

Bei der grundsätzlichen Bewertung der Datenschutz-Grundverordnung halten sich positive und negative Einschätzungen die Waage. So rechnen 60 Prozent der Unternehmen damit, dass die DSGVO langfristig zu mehr Rechtssicherheit führt und 57 Prozent erwarten einheitlichere Wettbewerbsbedingungen in der EU. Und jedes zweite Unternehmen glaubt sogar, dass die Verordnung weltweit Maßstäbe für den Umgang mit personenbezogenen Daten setzen wird. Es gibt aber auch kritische Einschätzungen. Laut Umfrage befürchten 57 Prozent kurzfristig mehr Rechtsunsicherheit, 42 Prozent erwarten, dass Geschäftsprozesse komplizierter werden und 36 Prozent glauben, dass die DSGVO Innovationen bremsen könnte. 

Ansprechpartner

 

Vincent Bergner

Customer Relationship Manager

v.bergner@bitkom-service.de

T: 030.27576-539

Die DSGVO sollte in allen Unternehmen eine hohe Priorität haben – oder diese schnellstmöglich bekommen. Den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten kann teuer werden.

Susanne Dehmel, Bitkom Geschäftsleiterin Recht & Sicherheit

Noch Luft nach oben

42 Prozent

der Unternehmen sagen, dass die Nutzung personenbezogener Daten Grundlage ihres Geschäftsmodells ist

Quelle: Bitkom